Azubis aus Asien: welches Herkunftsland passt zu Ihrem Betrieb?

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechtlich fast egal: Für alle Staaten außerhalb der EU gilt derselbe Weg über §16a AufenthG, mit ZAV-Vorabzustimmung und Deutsch auf B1, in der Pflege oft B2.
  • Den Unterschied macht die Praxis: Wie viele Menschen lernen dort Deutsch, wie schnell vergibt die Visastelle Termine, und werden die Schulzeugnisse anerkannt?
  • Vier Länder kommen realistisch in Frage: Vietnam, die Philippinen, Indien und Indonesien. Jedes mit einer anderen Stärke.
  • Wir vermitteln nur aus Vietnam. Die Gründe stehen unten, samt dem, was gegen diese Entscheidung spricht.
Junger Auszubildender aus Asien an der Bar eines deutschen Gastronomiebetriebs

Die Frage kommt fast immer an derselben Stelle: Der Betrieb hat entschieden, im Ausland zu rekrutieren, und dann steht im Raum, aus welchem Land eigentlich. Vietnam? Die Philippinen? Indien? Die Antwort fällt Betrieben schwer, weil sie meistens auf Bauchgefühl beruht, auf einer Empfehlung aus dem Netzwerk oder darauf, wen man zuerst am Telefon hatte.

Dabei lässt sich die Frage sachlich beantworten. Dieser Artikel zeigt, was das Herkunftsland tatsächlich entscheidet und was nicht, welche vier Länder für deutsche Ausbildungsbetriebe realistisch in Frage kommen und warum wir uns auf eines davon konzentrieren. Mit den Gründen, die gegen unsere eigene Entscheidung sprechen.

Rechtlich ist das Herkunftsland zweitrangig

Das Wichtigste zuerst, weil es die Frage kleiner macht, als sie wirkt: Für alle Staaten außerhalb der EU gilt derselbe Weg. Die Aufenthaltserlaubnis zur Berufsausbildung richtet sich nach §16a AufenthG, die Bundesagentur für Arbeit erteilt über die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung eine Vorabzustimmung, und der Bewerber muss Deutsch nachweisen, in der Regel auf B1, in der Pflege häufig auf B2.

Ob dieser Bewerber aus Hanoi, Manila oder Jakarta kommt, ändert an diesen drei Bausteinen nichts. Es gibt kein Land mit einer Abkürzung und keines mit einer Sonderhürde. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, verkauft Ihnen ein Herkunftsland als Produktvorteil.

Damit verschiebt sich die Frage: Nicht „Wo ist es rechtlich einfacher?", sondern „Wo finden wir genug Bewerber, die diese drei Bausteine tatsächlich erfüllen?"

Fünf Kriterien, an denen sich die Wahl entscheidet

1. Wie viele Menschen lernen dort überhaupt Deutsch?

Das ist mit Abstand das wichtigste Kriterium, und es wird am häufigsten unterschätzt. Ein Land mit vielen jungen Menschen nützt Ihnen wenig, wenn dort kaum jemand Deutsch auf B1 bringt. Entscheidend ist nicht die Einwohnerzahl, sondern die Sprachinfrastruktur: Gibt es Goethe-Institute, private Sprachschulen mit Erfahrung im Ausbildungsbereich, und vor allem Prüfungszentren, die anerkannte Zertifikate ausstellen?

2. Wie schnell vergibt die deutsche Auslandsvertretung Termine?

Der Antrag kann perfekt sein und trotzdem monatelang liegen bleiben, wenn es keinen Termin gibt. Die Kapazität der Visastelle im jeweiligen Land ist ein realer Engpass, der sich mit keinem Aufwand auf deutscher Seite ausgleichen lässt. Fragen Sie einen Vermittler danach: Wer die typische Wartezeit im konkreten Land nicht nennen kann, hat dort keine laufenden Fälle.

3. Werden die Schulabschlüsse anerkannt?

Für die Ausbildung muss der Schulabschluss des Bewerbers als gleichwertig gelten. Ob das der Fall ist, steht in der Anabin-Datenbank der Kultusministerkonferenz, und die Antwort hängt nicht nur am Land, sondern oft am Schultyp und an der Region. Ein Land mit einem einheitlichen, gut dokumentierten Schulsystem erspart Ihnen hier viele Einzelfallprüfungen.

4. Wie wahrscheinlich bleibt jemand?

Eine Vermittlung, die nach acht Monaten endet, ist teurer als gar keine. Was die Bleibewahrscheinlichkeit beeinflusst, hat wenig mit Nationalität und viel mit Umständen zu tun: Wie gut war die Vorbereitung, wie weit ist der Heimweg, und findet die Person hier Anschluss? Zum letzten Punkt gehört auch, ob es in Deutschland bereits eine Gemeinschaft aus dem Herkunftsland gibt.

5. Wie gut kennt Ihr Partner das Land wirklich?

Das ist kein Kriterium über das Land, sondern über die Vermittlung, und es entscheidet in der Praxis am meisten. Eine Agentur, die aus acht Ländern vermittelt, kennt keines davon so gut wie eine, die aus einem vermittelt. Fragen Sie konkret: Welche Sprachschulen? Welche Erfahrung mit welchem Zeugnistyp? Wer darauf allgemein antwortet, arbeitet über einen Partner vor Ort, den Sie nicht kennen.

Vier Länder im offenen Vergleich

Eine Vorbemerkung, die uns wichtig ist: Wir vermitteln ausschließlich aus Vietnam. Zu den Philippinen, Indien und Indonesien haben wir keine eigenen Vermittlungszahlen. Was hier steht, ist der allgemeine Stand und kein Erfahrungsbericht. Wir schreiben es trotzdem auf, weil die Frage berechtigt ist und eine Antwort verdient, die nicht bei uns endet.

Vietnam

Deutsch wird in Vietnam seit Jahrzehnten gelernt, und zwar nicht als Nische. Das hat historische Gründe: Zehntausende Vietnamesinnen und Vietnamesen kamen als Vertragsarbeiter in die DDR, viele blieben, und daraus ist eine der größten vietnamesischen Gemeinschaften Europas in Deutschland entstanden. Für Ankommende heißt das, dass sie hier auf Familien, Vereine und Läden treffen, in denen ihre Sprache gesprochen wird. Das ist in den ersten Monaten mehr wert, als es klingt.

Praktisch bedeutet das: In Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt gibt es eine eingespielte Landschaft aus Sprachschulen, die gezielt auf B1 und B2 vorbereiten, dazu das Goethe-Institut als Prüfungsinstanz. Sprachvorbereitung ist dort ein normaler Bildungsweg, nicht die Ausnahme.

Philippinen

Die Philippinen haben eine starke Tradition in Gesundheitsberufen und exportieren seit Jahrzehnten Pflegepersonal in die ganze Welt. Amtssprache ist Englisch, und das ist Vorteil und Nachteil zugleich: Die Verständigung im Betrieb fällt anfangs leichter, der Aufbau von Deutsch auf B1 oder B2 dauert dafür meist länger, weil die Sprache im Alltag nicht präsent ist.

Für fertige Pflegefachkräfte gibt es mit Triple Win ein staatliches Programm der Bundesagentur für Arbeit und der GIZ, das unter anderem auf den Philippinen rekrutiert. Das zielt allerdings auf ausgebildete Fachkräfte und nicht auf Auszubildende, und es kostet laut Bundesagentur 7.900 Euro brutto je vermittelter Pflegekraft. Wer den Unterschied zwischen Azubi-Weg und Fachkraft-Anwerbung abwägt, findet dort die Rechnung.

Indien

Indien hat die jüngste Bevölkerung der vier Länder und damit rechnerisch die meisten Schulabgänger. Deutschunterricht nimmt seit Jahren zu, ist aber regional sehr unterschiedlich verteilt und in der Fläche noch dünn. Die größere praktische Hürde ist meist die Anerkennung: Das Schulsystem ist föderal organisiert, Abschlüsse unterscheiden sich zwischen den Bundesstaaten, und die Gleichwertigkeit muss im Einzelfall über Anabin geprüft werden.

Indonesien

Indonesien ist groß und jung, und das Interesse an einer Ausbildung in Deutschland wächst. Die Sprachinfrastruktur ist allerdings weniger dicht als in Vietnam, und die Zahl der Prüfungszentren ist kleiner. Für einzelne Stellen kann das reichen, für einen planbaren jährlichen Zulauf ist es der schwierigere Weg.

Warum wir aus Vietnam vermitteln

Drei Gründe, und wir nennen sie in der Reihenfolge, in der sie zählen.

Erstens die Sprache. Weil Sprachvorbereitung in Vietnam ein eingespielter Weg ist, kommen wir an Bewerber, die B1 oder B2 nicht nur auf dem Papier haben. Wir prüfen das Zertifikat und führen zusätzlich ein Gespräch, in dem sich zeigt, ob jemand wirklich versteht, was gesagt wird. Wie gut die Azubis bei Ankunft tatsächlich sprechen, haben wir in einem eigenen Artikel zum Sprachniveau aufgeschrieben.

Zweitens die Herkunft. Wir sind selbst vietnamesischstämmig. Unterlagen, Zeugnisse und Gespräche laufen bei uns in der Muttersprache, ohne Übersetzer und ohne Partneragentur dazwischen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, entscheidet aber darüber, ob im Auswahlgespräch Nuancen ankommen oder nur Fakten.

Drittens die Erfahrung mit einem Weg. Wir kennen die Sprachschulen, die üblichen Zeugnistypen und den Ablauf bei der Visastelle. Diese Tiefe ist der eigentliche Grund, warum wir kein zweites Land dazunehmen: Sie wäre sofort weg.

Was gegen unsere Entscheidung spricht

Ein Land heißt auch ein Klumpenrisiko. Ändert sich die Praxis der Visastelle oder die Rechtslage in Vietnam, trifft es unser gesamtes Programm auf einmal. Eine Agentur mit mehreren Ländern kann das ausgleichen, wir nicht.

Dazu kommt die Entfernung. Ein Flug nach Vietnam ist teuer und lang, Heimatbesuche sind entsprechend selten. Wer glaubt, dass Heimweh in seinem Betrieb ein Thema wird, sollte das ernst nehmen; wir haben dazu aufgeschrieben, wie sich Heimaturlaub planen lässt.

Und schließlich: Wenn Sie ohnehin auf Englisch arbeiten und Deutsch für Sie zweitrangig ist, sind die Philippinen unter Umständen die bessere Wahl. Dann sind wir der falsche Partner, und das sagen wir im Erstgespräch auch so.

Drei Irrtümer über das Herkunftsland

„Aus der EU ginge es doch viel schneller"

Für den Papierweg stimmt das: EU-Bürger brauchen kein Visum und keine Vorabzustimmung. Nur bewirbt sich kaum jemand. Der Mangel an Auszubildenden ist längst kein deutsches Problem mehr, sondern ein europäisches, und die Länder, aus denen früher rekrutiert wurde, suchen inzwischen selbst. Wer aus der EU rekrutieren kann, sollte es tun und braucht dafür keine Vermittlung.

„Je näher das Land, desto einfacher"

Die Entfernung wirkt sich auf Flugkosten und Heimatbesuche aus, auf das Verfahren dagegen nicht. Ein Antrag aus einem Nachbarland durchläuft dieselben Stationen wie einer aus Südostasien. Nähe ersetzt keine Sprachvorbereitung.

„Mit Englisch kommen wir schon aus"

Im Betrieb vielleicht, in der Berufsschule nicht. Unterricht und Zwischenprüfung finden auf Deutsch statt, und die Abschlussprüfung entscheidet über den Ausbildungserfolg. B1 beziehungsweise B2 ist keine Formalie, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Ausbildung überhaupt zu Ende geht.

Fazit

Das Herkunftsland ist keine rechtliche, sondern eine praktische Frage. Entscheidend sind die Sprachinfrastruktur im Land, die Kapazität der Visastelle, die Anerkennung der Abschlüsse, die Bleibewahrscheinlichkeit und die Tiefe, mit der Ihr Partner das jeweilige Land kennt. Wer diese fünf Punkte prüft, trifft eine Entscheidung, die er begründen kann.

Wenn Sie den nächsten Schritt gehen wollen: Der Ablauf für ausländische Azubis ist für alle Länder gleich und dort Schritt für Schritt beschrieben. Wie es konkret mit Vietnam läuft, steht im Leitfaden zu Azubis aus Vietnam.

Häufige Fragen

Spielt das Herkunftsland für das Visum eine Rolle?

Für den Weg selbst kaum. Für alle Staaten außerhalb der EU gilt dieselbe Grundlage: die Aufenthaltserlaubnis zur Berufsausbildung nach §16a AufenthG, eine Vorabzustimmung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung und Deutschkenntnisse auf B1, in der Pflege häufig B2. Unterschiedlich ist nicht das Recht, sondern die Praxis vor Ort: wie schnell die deutsche Auslandsvertretung Termine vergibt und wie gut die Schulzeugnisse des Landes anerkannt sind.

Können wir Azubis von den Philippinen oder aus Indien einstellen?

Rechtlich ja, beide sind Drittstaaten wie Vietnam auch. Der Unterschied liegt im Aufwand: Entscheidend ist, wie viele Bewerber im Land überhaupt Deutsch auf B1 oder B2 lernen können und ob der Schulabschluss in der Anabin-Datenbank als gleichwertig geführt wird. Das ist von Land zu Land und teils von Region zu Region verschieden und sollte vor der ersten Zusage geklärt sein.

Vermittelt NTH Agency auch aus anderen Ländern als Vietnam?

Nein. Wir vermitteln ausschließlich Auszubildende aus Vietnam. Das ist eine bewusste Entscheidung für Tiefe statt Breite: Wir kennen die Sprachschulen, die Zeugnisse und den Ablauf bei der Visastelle in Hanoi. Wenn ein anderes Land besser zu Ihrem Betrieb passt, sagen wir das im Erstgespräch offen.

Warum nicht einfach Auszubildende aus der EU einstellen?

Aus der EU braucht niemand ein Visum, das ist der klare Vorteil. Nur bewirbt sich kaum jemand: Der Mangel an Auszubildenden ist längst kein deutsches Problem mehr, sondern ein europäisches. Wer aus der EU rekrutieren kann, sollte es tun, und braucht dafür keine Vermittlung.

Woran scheitert eine Einstellung aus dem Ausland am häufigsten?

An der Sprache und an unvollständigen Unterlagen, nicht am Herkunftsland. Ein Bewerber ohne belastbares Sprachzertifikat besteht die Berufsschule nicht, und ein unvollständiger Antrag verlängert das Verfahren um Wochen. Beides lässt sich vorher prüfen, und genau daran erkennt man einen sorgfältigen Partner.

Weiterlesen

Zur Übersicht

Unsicher, ob Vietnam zu Ihrem Betrieb passt?

Im Erstgespräch gehen wir die fünf Kriterien für Ihren Betrieb durch, ehrlich, auch wenn am Ende ein anderer Weg der richtige ist. Kostenlos und ohne Verpflichtung.

Kostenloses Erstgespräch buchen