Azubi ausbilden oder Fachkraft anwerben: der ehrliche Kostenvergleich

Taschenrechner und Unterlagen zum Kostenvergleich zwischen Ausbildung und Anwerbung

Wer heute Personal aus dem Ausland holt, steht vor einer Grundsatzfrage: die fertige Fachkraft anwerben oder den Nachwuchs selbst ausbilden? Beide Wege führen zur examinierten Fachkraft, aber sie unterscheiden sich massiv in Kosten, Dauer und Risiko.

Dieser Artikel legt belegte Zahlen nebeneinander: die offiziellen Gebühren des staatlichen Triple-Win-Programms, die Größenordnungen privater Anwerbung und die Kosten des Azubi-Wegs. Ohne Schönrechnen, mit Quellenangabe.

Zwei Wege zum gleichen Ziel

Ob Pflege, Handwerk oder Gastronomie: Am Ende brauchen Sie eine Fachkraft mit deutschem Berufsabschluss beziehungsweise deutscher Anerkennung. Dorthin führen zwei Wege:

  • Anwerbung: Eine im Ausland fertig ausgebildete Fachkraft kommt nach Deutschland und lässt ihren Abschluss hier anerkennen. Schneller einsetzbar, aber teuer in der Beschaffung und mit Anerkennungsverfahren.
  • Ausbildung: Ein geprüfter Kandidat kommt mit dem Visum zur Berufsausbildung (§16a AufenthG) und macht den Abschluss direkt in Deutschland. Drei Jahre Weg, dafür deutlich niedrigere Einstiegskosten und kein Anerkennungsverfahren.

Der Vergleich ist also keiner zwischen zwei identischen Produkten, sondern zwischen zwei Zeithorizonten. Genau deshalb lohnt der Blick auf die tatsächlichen Zahlen.

Was die Anwerbung fertiger Fachkräfte kostet

Der sauberste öffentliche Beleg kommt vom Staat selbst. Im Programm Triple Win der Bundesagentur für Arbeit und der GIZ zahlen Arbeitgeber laut BA-Informationsbroschüre eine Dienstleistungsgebühr von 7.900 Euro brutto pro vermittelter Pflegekraft (6.638,66 Euro netto, Stand September 2021). Für Pflegefachkräfte aus Kerala (Indien) sind es 8.495 Euro (Stand Mai 2022).

Damit ist die Rechnung aber nicht zu Ende. Dieselbe Broschüre listet auf, was Arbeitgeber zusätzlich übernehmen:

  • Reisekosten vom Herkunftsland zum Beschäftigungsort, je nach Land etwa 200 bis rund 1.000 Euro.
  • B2-Sprachkurs in Deutschland, je nach Anbieter ab etwa 600 Euro pro Person.
  • Vorbereitungskurs auf die Kenntnisprüfung mit Kursgebühren von 1.500 bis 2.500 Euro.
  • Dazu Wohnraum, Anerkennungsgebühren und ein Bruttogehalt von mindestens 2.300 Euro vor beziehungsweise 2.800 Euro nach der Anerkennung.

Private Vermittler liegen häufig darüber: Marktübersichten nennen für das Gesamtpaket aus Vermittlung, Sprachkurs, Reise und Anerkennungsbegleitung Größenordnungen von rund 15.000 bis 30.000 Euro pro Pflegefachkraft, bei sechs bis zwölf Monaten Vorlauf bis zur Einreise. Die Spannen sind groß, weil der Leistungsumfang stark variiert. Woran Sie seriöse Anbieter erkennen, haben wir im Artikel seriöse Vermittlung erkennen aufgeschrieben.

Der versteckte Posten: das Anerkennungsverfahren

Der eigentliche Kosten- und Zeittreiber der Anwerbung ist selten die Vermittlungsgebühr, sondern das, was danach kommt: Die ausländische Fachkraft darf erst nach der Anerkennung ihres Abschlusses voll als Fachkraft arbeiten. Bis dahin braucht es B2-Deutsch, je nach Bescheid eine Kenntnisprüfung oder einen Anpassungslehrgang, und in dieser Zeit arbeitet die Person als Hilfskraft. Wie das Verfahren im Detail läuft, zeigt unser Leitfaden zur Anerkennung ausländischer Pflegekräfte.

Kurz gesagt: Bei der Anwerbung kaufen Sie Geschwindigkeit und bezahlen sie doppelt, mit der Gebühr vorne und dem Anerkennungsverfahren hinten.

Was der Azubi-Weg kostet

Beim Azubi-Weg entfällt das Anerkennungsverfahren komplett, denn der Abschluss wird von Anfang an in Deutschland gemacht. Für das Visum genügt in der Regel zertifiziertes B1. Die Kostenstruktur sieht so aus:

  • Vermittlung: Bei NTH einmalig ab 1.000 Euro (Basis: geprüfte Kandidatenprofile, Interviews organisiert der Betrieb selbst) oder ab 2.500 Euro (Premium: kompletter Behördenprozess inklusive ZAV-Vorabzustimmung, Flug, Abholung, Wohnungssuche und Nachbesetzungsgarantie). Beides erfolgsbasiert, fällig erst bei Arbeitsantritt.
  • Nebenkosten: Übersetzungen, Visumgebühr, gegebenenfalls Anreise und Erstausstattung. Details rechnet der Kostenrechner für Ihren Fall durch.
  • Der große Posten: die Ausbildungsvergütung über drei Jahre. Sie ist real, fällt aber bei jedem Azubi an, auch beim deutschen, und ihr steht von Tag eins produktive Mitarbeit gegenüber.

Ehrlich bleibt: Der Azubi ist am Anfang keine Fachkraft. Er wird es nach drei Jahren, mit deutschem Examen, eingearbeitet in Ihre Abläufe und ohne Anerkennungsrisiko. Was die Ausbildung unterm Strich bringt, zeigt der ROI-Rechner.

Beide Wege nebeneinander

  • Einstiegskosten: Anwerbung ab 7.900 Euro Gebühr (staatlich) bis fünfstellig (privat). Azubi-Weg: einmalig ab 1.000 beziehungsweise ab 2.500 Euro Vermittlungsgebühr.
  • Zeit bis zur Person im Haus: Anwerbung laut Marktübersichten sechs bis zwölf Monate. Azubi-Weg: rund 12 Wochen ab unterschriebenem Ausbildungsvertrag bis zur Einreise.
  • Zeit bis zur vollwertigen Fachkraft: Anwerbung nach abgeschlossener Anerkennung (B2 plus Kenntnisprüfung oder Anpassungslehrgang). Azubi-Weg: drei Jahre Ausbildung mit deutschem Abschluss.
  • Sprachniveau zum Start: Anwerbung B1 mit Pflicht zu B2 für die Anerkennung. Azubi-Visum: in der Regel B1.
  • Bindung: Der Azubi wächst drei Jahre in Team und Abläufe hinein; die Übernahmeentscheidung treffen Sie nach drei Jahren gemeinsamer Erfahrung.
„Die Anwerbung beantwortet die Frage: Wer hilft uns dieses Jahr? Die Ausbildung beantwortet die Frage: Wer trägt den Laden in drei Jahren? Betriebe, die beide Fragen ernst nehmen, fahren zweigleisig."

Wann welcher Weg passt

  • Akuter Engpass, Budget vorhanden: Anwerbung über seriöse Programme wie Triple Win oder geprüfte private Anbieter, mit realistischem Blick auf das Anerkennungsverfahren.
  • Planbarer Bedarf in den nächsten Jahren: Ausbildung. Niedrige Einstiegskosten, kein Anerkennungsrisiko, und mit jedem Jahrgang wächst die eigene Pipeline. Wann Sie starten müssen, zeigt der Startplaner.
  • Beides: Viele Einrichtungen kombinieren, kurzfristige Lücken über Anwerbung, der Rest über Ausbildung. So hängt die Personalplanung nicht an einem einzigen Kanal.

FAQ

Was kostet das staatliche Triple-Win-Programm?

Laut Informationsbroschüre der Bundesagentur für Arbeit zahlen Arbeitgeber im Programm Triple Win eine Dienstleistungsgebühr von 7.900 Euro brutto pro vermittelter Pflegekraft (Stand September 2021), für Pflegefachkräfte aus Kerala in Indien 8.495 Euro (Stand Mai 2022). Hinzu kommen unter anderem Reisekosten, ein B2-Sprachkurs in Deutschland und die Kosten des Anerkennungsverfahrens.

Was kostet die Anwerbung über private Agenturen?

Marktübersichten privater Anbieter nennen für das Gesamtpaket aus Vermittlung, Sprachkurs, Reise und Anerkennungsbegleitung Größenordnungen von rund 15.000 bis 30.000 Euro pro Pflegefachkraft, je nach Anbieter und Leistungsumfang. Beim Vergleich lohnt der genaue Blick, welche Leistungen im Preis tatsächlich enthalten sind.

Warum ist der Azubi-Weg beim Einstieg günstiger?

Beim Azubi-Weg entfällt das komplette Anerkennungsverfahren, weil der Berufsabschluss direkt in Deutschland gemacht wird. Für das Visum zur Berufsausbildung genügt in der Regel zertifiziertes B1 statt B2. Die Vermittlungsgebühr liegt bei NTH je nach Modell bei einmalig ab 1.000 Euro beziehungsweise ab 2.500 Euro, erfolgsbasiert und fällig erst bei Arbeitsantritt. Der größte Posten ist danach die Ausbildungsvergütung über drei Jahre, der auch bei jedem deutschen Azubi anfällt.

Wie schnell ist auf beiden Wegen eine einsatzfähige Fachkraft im Haus?

Bei der Anwerbung fertiger Fachkräfte nennen Marktübersichten sechs bis zwölf Monate bis zur Einreise; voll einsetzbar als Fachkraft ist die Person erst nach abgeschlossener Anerkennung. Beim Azubi-Weg rechnen wir mit rund 12 Wochen ab unterschriebenem Ausbildungsvertrag bis zur Einreise; der Azubi arbeitet ab dem ersten Tag im Betrieb mit und ist nach drei Jahren examinierte Fachkraft.

Kann ein Betrieb beide Wege kombinieren?

Ja, viele Einrichtungen fahren zweigleisig: kurzfristige Lücken über die Anwerbung fertiger Kräfte, planbarer Nachwuchs über die eigene Ausbildung. So verteilt sich das Risiko, und die Ausbildung baut Jahr für Jahr eine eigene Pipeline auf.

Hinweis und Quellen: Die Triple-Win-Beträge stammen aus der Informationsbroschüre der Bundesagentur für Arbeit zum Programm Triple Win (Dienstleistungsgebühr 7.900 Euro brutto, Stand September 2021; Kerala 8.495 Euro, Stand Mai 2022; dazu Reise-, Sprachkurs- und Prüfungsvorbereitungskosten). Die Spannen privater Anbieter beruhen auf öffentlich zugänglichen Marktübersichten und können je nach Anbieter abweichen. Alle Angaben mit Stand Juli 2026, aktuelle Konditionen erfragen Sie bitte direkt bei ZAV/GIZ beziehungsweise dem jeweiligen Anbieter. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Vertragsberatung.

Weiterlesen

Zur Übersicht

Sie wollen beide Wege für Ihren Betrieb durchrechnen?

Im Erstgespräch legen wir Anwerbung und Ausbildung mit echten Zahlen für Ihre Branche nebeneinander, inklusive Zeitplan bis zum Wunsch-Starttermin.

Kostenloses Erstgespräch buchen
1 / 9

Für welche Branche suchen Sie Auszubildende?

Haben Sie bereits Erfahrung mit ausländischen Azubis?

Wie viele Mitarbeiter hat Ihr Betrieb?

Wann möchten Sie Azubis einstellen?

Wie viele Azubis benötigen Sie?

Wie lautet Ihr vollständiger Name?

Wie heißt Ihr Unternehmen?

Wie lautet Ihre E-Mail-Adresse?

Wie können wir Sie telefonisch erreichen?