Die häufigste Frage im zweiten Gespräch: Was zahlen wir monatlich?
Wenn ein Geschäftsführer oder eine Pflegedienstleitung das erste Mal ernsthaft über einen Azubi aus Vietnam nachdenkt, ist die entscheidende Frage nicht mehr „Kommt der auch gut an?“, sondern „Was kostet uns das am Monatsende?“. Die Antwort ist kürzer, als viele denken: Ein Azubi aus Vietnam kostet Sie monatlich exakt dasselbe wie ein deutscher Azubi im gleichen Beruf. Die Ausbildungsvergütung richtet sich ausschließlich nach Tarif oder Mindestausbildungsvergütung, die Staatsangehörigkeit spielt arbeitsrechtlich keine Rolle.
Trotzdem lohnt sich der genaue Blick auf die Gesamtkosten. In diesem Artikel rechnen wir konkret durch, was pro Monat anfällt, von der Bruttovergütung über Arbeitgeberanteile bis zur optionalen Unterkunft. Keine Schönrechnerei, keine versteckten Posten.
Ausbildungsvergütung nach Tarif oder BBiG
Die Grundlage ist entweder ein Tarifvertrag Ihrer Branche oder, falls keiner greift, die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach §17 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Für Ausbildungsverträge, die 2026 beginnen, gelten als Mindestwerte: 724 Euro im 1. Jahr, 854 Euro im 2. Jahr, 977 Euro im 3. Jahr, 1.014 Euro im 4. Jahr (Bekanntmachung des BIBB für 2026). Für Ausbildungen, die 2027 beginnen, steigen sie auf 764 Euro im 1. Jahr, 902 Euro im 2. Jahr, 1.031 Euro im 3. Jahr und 1.070 Euro im 4. Jahr (Bekanntmachung für 2027). Maßgeblich ist das Jahr, in dem die Ausbildung beginnt: Wer heute einen Vertrag mit Start Anfang 2027 schließt, rechnet mit den Werten für 2027. Diese Werte werden jährlich zum 1. Januar angepasst; für Verträge mit Beginn 2025 galten noch 682/805/921/955 Euro. Für das Visum müssen dem Azubi rund 1.048 € brutto im Monat zur Verfügung stehen (Maßstab der Deutschen Botschaft Hanoi, wird jährlich angepasst). Liegt die Vergütung darunter, wird die Differenz in der Regel über ein Sperrkonto nachgewiesen; eine vom Betrieb gestellte Unterkunft wird angerechnet.
In den meisten Branchen liegen die Tarifvergütungen deutlich darüber. Spitzenreiter ist die Pflege: Im öffentlichen Dienst (TVAöD Pflege) beträgt das Ausbildungsentgelt im 1. Jahr 1.490,69 Euro (ab Mai 2026); private und kirchliche Träger liegen teils etwas darunter, aber ebenfalls klar vierstellig. Im Handwerk und in der Gastronomie variieren die Tarife stark nach Gewerk und Region, häufig zwischen rund 800 und 1.100 Euro im 1. Jahr, maßgeblich ist der jeweils aktuelle Tarifvertrag Ihrer Kammer-Region. Die vertraglich zugesagte Vergütung muss mindestens 80 Prozent des tariflichen Niveaus erreichen, sonst ist der Vertrag nicht genehmigungsfähig, und das Visum §16a AufenthG wird nicht erteilt.
Was kommt zur Vergütung dazu?
Zur Bruttovergütung kommen die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Als Faustregel rechnen Sie mit rund 21 Prozent auf den Bruttolohn. Das deckt Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung ab. Hinzu kommen Umlagen (U1/U2 für Krankheit und Mutterschaft, Insolvenzgeldumlage), die je nach Krankenkasse weitere 1 bis 3 Prozent ausmachen können.
Wichtig zu wissen: Azubis haben denselben Anspruch auf bezahlten Urlaub wie deutsche Azubis (24 bis 30 Werktage pro Jahr), Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall für bis zu 6 Wochen, und Vergütung an gesetzlichen Feiertagen. Diese Posten sind bereits in der Bruttovergütung enthalten, sie fallen nicht zusätzlich an. Ein Azubi aus Vietnam bekommt keine Sonderzulagen, er wird exakt wie jeder andere Auszubildende behandelt.
Beispielrechnung Pflege: Monatliche Gesamtkosten
Nehmen wir die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann nach Pflegeberufegesetz, 1. Ausbildungsjahr, Tarifvertrag einer mittelgroßen Einrichtung:
- Bruttovergütung: 1.100 Euro
- Arbeitgeberanteil Sozialversicherung (21 Prozent): 231 Euro
- Umlagen (ca. 2 Prozent): 22 Euro
- Optional: Verpflegungsbeitrag Personalessen: 50 Euro
- Monatliche Gesamtkosten: rund 1.403 Euro
Zum Vergleich: Eine examinierte Pflegefachkraft kostet den Betrieb monatlich zwischen 4.200 und 4.800 Euro brutto inklusive Arbeitgeberanteile. Ein Azubi ist damit rund ein Drittel bis ein Viertel der Vollkostenposition einer Fachkraft, wird aber nach der dreijährigen Ausbildung selbst zur examinierten Pflegefachkraft.
Beispielrechnung Handwerk: Elektroniker 1. Ausbildungsjahr
Für einen Elektroniker-Azubi im 1. Ausbildungsjahr. Die Tarifvergütung in Bayern liegt bei rund 780 Euro. In diesem Beispiel zahlt der Betrieb 1.048 €, damit der Betrag für das Visum ohne Sperrkonto erreicht wird:
- Bruttovergütung: 1.048 €
- Arbeitgeberanteil Sozialversicherung (21 Prozent): 220 Euro
- Umlagen (ca. 2 Prozent): 21 Euro
- Arbeitskleidung und Schutzausrüstung (umgelegt): rund 25 Euro
- Monatliche Gesamtkosten: rund 1.314 Euro
Die Tarifvergütung steigt im 2. Ausbildungsjahr auf rund 830 Euro, im 3. Jahr auf 900 Euro, im 4. Jahr auf 960 Euro. Solange sie unter 1.048 € liegt, bleibt es in diesem Beispiel bei diesem Betrag. Die Gesamtkosten bleiben also über die volle Ausbildungszeit von 3,5 Jahren deutlich unter den Kosten einer angestellten Fachkraft, bei einem Auszubildenden, der schon ab dem zweiten Jahr produktiv auf der Baustelle mitarbeitet.
Was ist mit der Unterkunft?
Hier trennen sich die Modelle. Viele Betriebe, vor allem in Pflege und Gastronomie, stellen ein Personalzimmer oder eine kleine Wohneinheit. Das hat zwei Vorteile: Der Azubi kommt schnell in eine stabile Wohnsituation, und der Betrieb kann die Unterkunft steuerlich als Sachbezug werten. Der amtliche Sachbezugswert für Unterkunft liegt 2026 bei 285 Euro pro Monat (2025: 282 Euro).
Alternativ trägt der Betrieb die Mietdifferenz zwischen der ortsüblichen Miete und dem Eigenanteil des Azubis. Diese Kosten schlagen je nach Region mit 100 bis 300 Euro monatlich zu Buche, sind aber betrieblich absetzbar. Mietzuschüsse in Geld sind steuer- und beitragspflichtig; stellt der Betrieb die Unterkunft, wird sie als Sachbezug bewertet.
Unser Standard-Hinweis: Wer eine WG oder ein Personalzimmer organisiert, löst das Wohnungsproblem in 2 Wochen statt in 10. Das senkt das Abbruchrisiko in den ersten 100 Tagen erheblich.
Die oft vergessenen Posten
Zwei Kategorien werden in der ersten Kalkulation regelmäßig vergessen:
- Arbeitskleidung und Schutzausrüstung: Im Handwerk und in der Pflege gesetzlich vom Arbeitgeber zu stellen. Einmalig 150 bis 400 Euro, danach Ersatzbeschaffung nach Bedarf.
- Fahrtkostenzuschuss: Für den Weg zur Berufsschule steuerfrei möglich, in vielen Tarifen Pflicht. Rechnen Sie mit 40 bis 80 Euro pro Monat, je nach Blockunterricht oder wöchentlichem Wechsel.
Berufsschulgebühren fallen an öffentlichen Berufsschulen in der Regel nicht an. Schulgeld darf in der Pflegeausbildung nicht verlangt werden.
Was NTH einmalig kostet vs. laufend
Die Vermittlungsgebühr der NTH Agency ist eine einmalige Investition, keine laufende Position. Im empfohlenen Full-Service fallen einmalig ab 2.750 € pro Azubi (je nach Anzahl und Unterkunft) an (zzgl. MwSt.), zahlbar erst bei Arbeitsantritt. Im Basis-Modell ab 1.000 € Vermittlungsgebühr. Keine monatliche Provision, keine Prozentbeteiligung am Lohn, keine Folgekosten.
Das heißt: Ab dem ersten Arbeitstag trägt der Betrieb nur noch die Personalkosten des Azubis wie bei jedem anderen Auszubildenden auch. Mehr Details finden Sie in unserem ausführlichen Kostenartikel.
Fazit: Ein Azubi aus Vietnam ist nicht teurer als ein deutscher Azubi
Wer die Rechnung ehrlich aufmacht, kommt auf monatliche Gesamtkosten zwischen rund 1.300 und 1.450 Euro, je nach Branche und Ausbildungsjahr. Das sind dieselben Posten wie bei deutschen Azubis mit gleicher Vergütung, plus die einmalige Vermittlungsgebühr. Was eine unbesetzte Stelle Ihren Betrieb im Vergleich kostet, rechnet der ROI-Rechner mit Ihren eigenen Zahlen. Der wahre Kostenfaktor im Fachkräftemarkt ist nicht der Azubi, sondern die unbesetzte Stelle.
Weitere Hintergründe finden Sie in unserem Ratgeber, und konkrete Branchenzahlen auf unserer Pflege-Seite.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung für einen Azubi aus Vietnam?
Genauso hoch wie für deutsche Azubis: nach Tarif oder mindestens der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung nach BBiG (2026: 724 Euro, ab 2027: 764 Euro im 1. Jahr). Für das Visum müssen dem Azubi rund 1.048 € brutto im Monat zur Verfügung stehen (Maßstab der Deutschen Botschaft Hanoi, wird jährlich angepasst). Liegt die Vergütung darunter, wird die Differenz in der Regel über ein Sperrkonto nachgewiesen; eine vom Betrieb gestellte Unterkunft wird angerechnet. In der Pflege liegt das 1. Jahr im öffentlichen Dienst bei 1.490,69 Euro (TVAöD, ab Mai 2026), im Handwerk je nach Gewerk und Region darunter.
Ist ein Azubi aus Vietnam teurer als ein deutscher Azubi?
Nein. Die laufenden Kosten (Vergütung plus Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben) sind identisch. Hinzu kommt nur die einmalige Vermittlungsgebühr (im empfohlenen Full-Service ab 2.750 € netto, im Basis-Modell ab 1.000 €), zahlbar erst bei Arbeitsantritt.
Muss der Betrieb die Unterkunft bezahlen?
Eine Pflicht dazu besteht nicht, aber Hilfe bei der Wohnungssuche und gegebenenfalls ein Zuschuss erleichtern den Start erheblich. Im Full-Service unterstützt NTH bei der Wohnungssuche.