Urlaubsanspruch beim Azubi: was gilt und wie man ihn klug plant

Junger Auszubildender besucht seine Familie im Urlaub

Wie viele Urlaubstage bekommt der Azubi eigentlich, und wer entscheidet, wann er sie nimmt? Beim Azubi aus Vietnam kommt eine dritte Frage dazu: Wie plant man den Urlaub so, dass ein Heimatbesuch möglich ist, ohne dass Berufsschule und Betrieb leiden?

Die Rechtslage ist klar geregelt und für ausländische Azubis exakt dieselbe wie für deutsche. Dieser Artikel fasst die Regeln aus Bundesurlaubsgesetz und Jugendarbeitsschutzgesetz zusammen und zeigt, wie kluge Urlaubsplanung im Ausbildungsalltag aussieht.

Wie viel Urlaub: die Mindestansprüche

Jeder Arbeitnehmer, und damit auch jeder Azubi, hat Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub (§ 1 BUrlG). Die Mindestdauer hängt vom Alter ab:

  • Volljährige: mindestens 24 Werktage pro Jahr (§ 3 BUrlG). Werktage sind alle Kalendertage außer Sonn- und Feiertagen, 24 Werktage entsprechen also vier Wochen, rechnerisch 20 Arbeitstagen bei einer 5-Tage-Woche.
  • Minderjährige (Stichtag Jahresbeginn, § 19 JArbSchG): mindestens 30 Werktage unter 16, 27 Werktage unter 17 und 25 Werktage unter 18 Jahren.
  • Tarifverträge geben häufig mehr: Was im Ausbildungsvertrag oder anwendbaren Tarifvertrag steht, gilt, solange es die Mindestwerte nicht unterschreitet.

Da die meisten vermittelten Azubis aus Vietnam volljährig einreisen, ist die 24-Werktage-Regel der Normalfall.

Wartezeit: wann der volle Anspruch da ist

Der volle Urlaubsanspruch entsteht erstmals nach sechs Monaten Bestehen des Arbeitsverhältnisses (§ 4 BUrlG). Wer im September mit der Ausbildung startet, hat den vollen Anspruch also ab März. Das passt aus Sicht vietnamesischer Azubis oft überraschend gut: Das Tet-Fest liegt je nach Jahr Ende Januar bis Mitte Februar, ein erster Heimatbesuch lässt sich meist kurz nach dem Ende der Wartezeit oder mit anteiligem Urlaub planen.

Berufsschulferien: die wichtigste Planungsregel

Für berufsschulpflichtige Azubis sagt § 19 JArbSchG ausdrücklich: Der Urlaub soll in den Berufsschulferien liegen. Wird er außerhalb gewährt, bekommt der Azubi für jeden Berufsschultag, den er während des Urlaubs besucht, einen zusätzlichen Urlaubstag.

Auch bei volljährigen Azubis, für die diese Vorschrift formal nicht gilt, ist die Ferienplanung der klügste Weg: Ein Urlaub in der Schulzeit produziert Fehlzeiten im Theorieteil, und genau dort brauchen internationale Azubis ihre Präsenz am dringendsten. Die Berufsschule dankt es doppelt.

Wer entscheidet: Wünsche und Grenzen

  • Wünsche zählen: Die Urlaubswünsche des Azubis sind zu berücksichtigen, es sei denn, dringende betriebliche Belange oder sozial vorrangige Wünsche anderer Mitarbeiter stehen entgegen (§ 7 BUrlG).
  • Urlaub gehört ins laufende Jahr: Eine Übertragung ins Folgejahr ist nur bei dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründen zulässig, und dann muss der Urlaub in den ersten drei Monaten des Folgejahres genommen werden.
  • Früh sprechen: Wer die Urlaubsplanung fürs Jahr im Januar macht und den Azubi aktiv fragt, statt auf Anträge zu warten, vermeidet die klassischen Konflikte um Sommer- und Feiertagswochen.

Heimaturlaub klug einplanen

Ein Flug nach Vietnam lohnt sich nicht für eine Woche. Die praktikable Lösung, die wir unseren Partnerbetrieben empfehlen: einen zusammenhängenden Block in den Berufsschulferien reservieren, idealerweise um das Tet-Fest oder im Sommer, und das schon bei der Jahresplanung festzurren. Was dabei rechtlich und organisatorisch zu beachten ist, von der Wiedereinreise bis zur Krankmeldung aus dem Ausland, steht ausführlich im Artikel zum Heimaturlaub.

„Urlaub ist beim Azubi aus Vietnam kein Risiko, sondern ein Bindungsinstrument: Wer den Tet-Besuch im Januar fest einplant, bekommt einen Azubi, der im Februar motiviert zurückkommt."
Wir besprechen die Urlaubs- und Ferienplanung mit Betrieb und Azubi schon beim Onboarding, damit der erste Heimatbesuch geplant stattfindet statt spontan gefordert zu werden.

FAQ

Wie viel Urlaub steht einem volljährigen Azubi zu?

Mindestens 24 Werktage pro Jahr (§ 3 BUrlG). Werktage sind alle Kalendertage außer Sonn- und Feiertagen, die 24 Werktage entsprechen also vier Wochen Urlaub, rechnerisch 20 Arbeitstagen bei einer 5-Tage-Woche. Tarifverträge geben häufig mehr; maßgeblich ist der Ausbildungsvertrag.

Wie viel Urlaub bekommen minderjährige Azubis?

Gestaffelt nach Alter zu Jahresbeginn (§ 19 JArbSchG): mindestens 30 Werktage, wenn der Azubi noch keine 16 ist, mindestens 27 Werktage unter 17 und mindestens 25 Werktage unter 18 Jahren.

Ab wann darf der Azubi den vollen Urlaub nehmen?

Der volle Urlaubsanspruch entsteht erstmals nach sechs Monaten Bestehen des Arbeitsverhältnisses (§ 4 BUrlG). Vorher sind anteilige Regelungen möglich. Für Azubis aus Vietnam, die meist im Spätsommer starten, fällt das Ende der Wartezeit oft gerade rechtzeitig vor das Tet-Fest Anfang des Jahres.

Muss der Urlaub in den Berufsschulferien liegen?

Bei Berufsschulpflichtigen soll der Urlaub möglichst in den Berufsschulferien liegen (§ 19 JArbSchG). Wird er außerhalb gewährt, bekommt der Azubi für jeden Berufsschultag, den er im Urlaub besucht, einen zusätzlichen Urlaubstag. Auch bei Volljährigen ist die Ferienplanung der klügste Weg, Fehlzeiten zu vermeiden.

Darf der Betrieb Urlaubswünsche ablehnen?

Nur eingeschränkt: Urlaubswünsche sind zu berücksichtigen, es sei denn, dringende betriebliche Belange oder sozial vorrangige Wünsche anderer Mitarbeiter stehen entgegen (§ 7 BUrlG). Eine Übertragung ins Folgejahr geht nur bei dringenden Gründen, der Urlaub muss dann in den ersten drei Monaten genommen werden.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Grundlage sind § 1, § 3, § 4 und § 7 BUrlG sowie § 19 JArbSchG (Wortlaut auf gesetze-im-internet.de, abgerufen Juli 2026); Tarif- und Vertragsregelungen gehen vor, soweit sie günstiger sind. Stand Juli 2026.

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