Berufsschule mit Azubis aus dem Ausland: so klappt der Theorie-Teil

Unterricht in einem Klassenraum mit Auszubildenden

Der praktische Teil läuft meistens von allein: Im Betrieb lernen internationale Azubis schnell, weil sie sehen, anfassen und wiederholen können. Die Berufsschule ist die größere Hürde, denn dort kommt Fachtheorie in schnellem Unterrichtstempo dazu. Die gute Nachricht: Genau dafür gibt es ein dichtes, für Betriebe kostenloses Unterstützungsnetz.

Dieser Artikel erklärt, was die Berufsschulpflicht praktisch bedeutet, welches Sprachniveau wirklich gebraucht wird und wie Sie den Theorie-Teil von Anfang an absichern.

Berufsschulpflicht: was sie bedeutet

Wer in Deutschland eine duale Ausbildung macht, besucht die Berufsschule. Das gilt für Azubis aus Vietnam genauso wie für einheimische. Für den Betrieb heißt das konkret: Freistellung für die Schultage oder Blockwochen ist Pflicht, die Zeiten zählen als Ausbildungszeit, und die Schule ist fester Teil des Ausbildungsvertrags, der bei der Kammer eingetragen wird.

Organisatorisch lohnt ein früher Anruf bei der zuständigen Berufsschule: Viele Schulen haben Erfahrung mit internationalen Klassen und können den Azubi gezielt einordnen, manche bieten eigene Förderstunden an.

B1, B2 und die Lücke dazwischen

Für das Visum ist zertifiziertes B1 der Standard (in der Pflege B2), das bringen unsere Kandidaten mit. Die Kammern empfehlen für den Fachunterricht B2, denn Fachtexte, Klassenarbeiten und das Tempo des Unterrichts fordern mehr als Alltagsdeutsch. Details zu den Niveaus erklärt unser Ratgeber zu den Deutschkenntnissen vietnamesischer Azubis.

Kurz gesagt: B1 ist die Eintrittskarte, B2 das Ziel für die Theorie. Die Lücke dazwischen ist normal und schließt sich während der Ausbildung, wenn man sie aktiv angeht statt sie auszusitzen.

Kostenlose Hilfen: Sprachkurse und Nachhilfe

  • Berufssprachkurse für Auszubildende (BAMF): laufen parallel zur Ausbildung, sind auf den Berufsschulstoff zugeschnitten und für die Teilnehmenden kostenlos. Der wichtigste Baustein für den Sprung von B1 Richtung B2.
  • Ausbildungsbegleitende Hilfen und Assistierte Ausbildung: Nachhilfe in kleinen Gruppen plus sozialpädagogische Begleitung, organisiert über die Agentur für Arbeit. Deckt Fachtheorie, Prüfungsvorbereitung und Alltagsfragen ab.
  • Angebote der Schulen selbst: Förderunterricht, Sprachbegleitung in internationalen Klassen, teils digitale Lernangebote. Fragen kostet nichts.

Welche Förderung zu welchem Fall passt und wie die Antragswege laufen, haben wir im Ratgeber zu den Fördermitteln für Ausbildungsbetriebe zusammengestellt.

Was der Betrieb selbst tun kann

Die wirksamsten Maßnahmen kosten kein Geld, sondern Aufmerksamkeit: einen festen Paten im Betrieb benennen, der auch nach dem Berufsschultag kurz nachfragt. Das Berichtsheft gemeinsam durchgehen, weil dort Fachbegriffe und Schriftsprache zusammenkommen. Fachwörter aus dem Betriebsalltag bewusst benennen und wiederholen. Und Prüfungstermine früh in den Dienstplan einbauen, damit vor der Zwischenprüfung Luft zum Lernen bleibt.

Wie die ersten Monate insgesamt gelingen, zeigt unser Leitfaden zu den ersten 100 Tagen; die Berufsschule ist dort einer der drei Erfolgsfaktoren.

Häufige Fehler

  • Hilfen zu spät beantragen: Berufssprachkurse und Nachhilfe wirken am besten ab dem ersten Schulblock, nicht erst nach der ersten schlechten Note.
  • Theorie dem Azubi allein überlassen: Wer im Betrieb nie über den Schulstoff spricht, merkt Probleme erst im Zeugnis. Ein kurzes wöchentliches Gespräch reicht oft.
  • Die Schule nicht informieren: Lehrkräfte, die wissen, dass Deutsch die Zweitsprache ist, können fair bewerten und gezielt unterstützen, aber nur, wenn sie es wissen.
„Kein Azubi scheitert an der Werkbank. Wenn es hakt, dann in der Theorie, und genau dort ist das Unterstützungsnetz am dichtesten. Man muss es nur früh nutzen."

FAQ

Gilt die Berufsschulpflicht auch für Azubis aus dem Ausland?

Ja. Wer in Deutschland eine duale Ausbildung macht, besucht die Berufsschule, unabhängig von der Herkunft. Der Betrieb muss den Azubi für den Unterricht freistellen, die Zeiten gelten als Ausbildungszeit.

Reicht Deutsch B1 für die Berufsschule?

Für das Visum ist zertifiziertes B1 der Standard. Für den Fachunterricht empfehlen die Kammern B2. Die Lücke lässt sich während der Ausbildung schließen, etwa mit den kostenlosen Berufssprachkursen des BAMF, die parallel zur Ausbildung laufen.

Welche kostenlose Unterstützung gibt es für den Theorie-Teil?

Berufssprachkurse für Auszubildende (BAMF), ausbildungsbegleitende Hilfen und Assistierte Ausbildung über die Agentur für Arbeit: Nachhilfe in kleinen Gruppen plus sozialpädagogische Begleitung. Der Betrieb zahlt dafür nichts.

Was kann der Betrieb selbst tun?

Die Berufsschule früh informieren, einen Paten benennen, Berichtsheft und Fachbegriffe aktiv begleiten und Prüfungstermine gemeinsam im Blick behalten. Kleine Routinen im Alltag wirken stärker als jede Einzelmaßnahme.

Hinweis: Inhalte mit Stand Juli 2026. Die konkreten Förderwege (Berufssprachkurse, ausbildungsbegleitende Hilfen) richten sich nach den aktuellen Programmen von BAMF und Agentur für Arbeit; die Antragstellung begleiten wir im Rahmen der Vermittlung.

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