Azubi aus Vietnam: Was Arbeitgeber rechtlich wissen müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rechtsgrundlage: §16a AufenthG, anerkannter Ausbildungsberuf, eingetragener Vertrag, ausreichende Vergütung.
  • Gleiche Regeln: normale gesetzliche Probezeit wie bei deutschen Azubis; im Full-Service greift bei Abbruch die Nachbesetzungsgarantie.
  • Was der Betrieb selbst tut: Vertrag unterschreiben, Kammer-Eintragung, betriebliche Nachweise, Visum, Vorabzustimmung und Anerkennung übernimmt die Vermittlung.
Rechtlicher Rahmen für die Einstellung vietnamesischer Azubis in Deutschland nach §16a AufenthG

Die häufigste Frage in unseren Erstgesprächen mit Betrieben ist nicht „Was kostet das?“, sondern: „Ist das wirklich legal, und wie aufwändig ist das?“ Die klare Antwort vorweg: Ja, es ist vollständig legal. Der Aufwand für den Betrieb ist bei professioneller Begleitung minimal. Komplex ist der Prozess allerdings, und genau deshalb lohnt es sich, die rechtlichen Grundlagen zu kennen, bevor Sie sich entscheiden.

In diesem Artikel erklären wir, was §16a AufenthG für Auszubildende aus Vietnam regelt, wann sich §81a (beschleunigtes Fachkräfteverfahren) für Azubis lohnt, was Sie als Betrieb konkret tun müssen, und welche rechtlichen Missverständnisse wir immer wieder hören.

Die rechtliche Grundlage, §16a AufenthG erklärt

§16a AufenthG regelt den Aufenthalt zur betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Konkret: Ein Bürger aus einem Nicht-EU-Land (wie Vietnam) darf nach Deutschland einreisen, um eine anerkannte qualifizierte Berufsausbildung zu absolvieren. Das Ausbildungsvisum ist keine Ausnahme, es ist der gesetzlich vorgesehene Regelfall.

Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen:

  • Staatlich anerkannte oder vergleichbar geregelte Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren (§ 2 Abs. 12a AufenthG): IHK- und HWK-Berufe nach BBiG oder HwO (z. B. Elektroniker:in, Fachkraft Küche, Fachkraft Lagerlogistik, Verkäufer:in) ebenso wie die Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann nach Pflegeberufegesetz (PflBG, dort ohne Kammer-Eintragung)
  • Ausbildungsbetrieb mit gültiger Ausbildungserlaubnis (IHK, HWK oder zuständige Kammer)
  • Unterzeichneter Ausbildungsvertrag mit Mindestausbildungsvergütung laut Tarif oder BBiG
  • Deutschkenntnisse auf Niveau B1 (Goethe, telc oder ÖSD zertifiziert)
  • Gesicherter Lebensunterhalt (Ausbildungsvergütung reicht in der Regel aus)

§16a AufenthG für Azubis. Das Standardverfahren für Auszubildende läuft über die deutsche Botschaft in Hanoi. Eine ZAV-Vorabzustimmung in Bonn (Bundesagentur für Arbeit) kann das Visumverfahren nach dem Botschaftstermin um Wochen verkürzen. Das beschleunigte Fachkräfteverfahren nach §81a AufenthG steht auch Auszubildenden offen: optional, für 411 € je Azubi, die der Arbeitgeber trägt.

Realistische Bearbeitungszeit: in der Regel 3 bis 4 Monate vom Erstgespräch bis zur Einreise. Hauptzeit entfällt auf Visumsverfahren und Botschaftstermin. Eine frühe ZAV-Vorabzustimmung in Bonn verkürzt das Visumverfahren nach dem Botschaftstermin um Wochen. Abweichungen nach oben sind in Einzelfällen (Botschaftsauslastung, Ferienzeiten, fehlende Dokumente) möglich.

„Der Aufwand ist nicht klein, aber er liegt nicht bei Ihnen, wenn der Prozess professionell begleitet wird.“

Was der Betrieb konkret tun muss

In der Praxis sind es fünf Schritte, die klar verteilt sind zwischen Betrieb, Agentur und Behörden:

1. Ausbildungsvertrag vorbereiten. Sie nutzen das IHK- bzw. HWK-Standardmuster Ihrer zuständigen Kammer. Der Vertrag muss alle Pflichtangaben enthalten: Ausbildungsberuf, Beginn und Dauer, Vergütung laut Tarif, Urlaubsanspruch, Probezeit (1 bis 4 Monate, in der Pflegeausbildung sechs Monate). Wir unterstützen bei der Abstimmung mit der Kammer.

2. ZAV-Vorabzustimmung einholen. Die Vorabzustimmung wird bei der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn beantragt, gemäß § 39 AufenthG i. V. m. § 36 Abs. 3 BeschV. Dieser Schritt beschleunigt das spätere Visumsverfahren deutlich.

3. Zeugnisse vorbereiten. Für IHK- und HWK-Berufe verlangt das Gesetz keine Anerkennung des vietnamesischen Schulabschlusses; übersetzte Zeugnisse gehören aber zu den Visumunterlagen. In der Pflege ist ein gleichwertiger Schulabschluss Zugangsvoraussetzung (§ 11 PflBG), dort lassen wir ihn bei der zuständigen Stelle bewerten.

4. Visumsantrag stellen. Der Kandidat stellt den Antrag bei der deutschen Botschaft in Hanoi, mit Ausbildungsvertrag, Vorabzustimmung, B1-Sprachzertifikat, Zeugnissen, Nachweis des Lebensunterhalts und Krankenversicherungsnachweis. Wir koordinieren das vollständig.

5. Sozial- und Krankenversicherung anmelden. Nach Einreise und Arbeitsantritt: normale Anmeldung zur Sozialversicherung durch Ihre Lohnbuchhaltung, Krankenversicherung beim gesetzlichen Versicherer. Keine Sonderregeln gegenüber deutschen Azubis.

Die Probezeit, was gilt bei vietnamesischen Azubis?

Die gesetzliche Probezeit in der Berufsausbildung beträgt 1 bis 4 Monate (§20 BBiG), gilt für deutsche und vietnamesische Azubis gleichermaßen. In der Pflegeausbildung beträgt sie sechs Monate (§20 PflBG). In dieser Zeit kann das Ausbildungsverhältnis ohne Angabe von Gründen und ohne Frist von beiden Seiten gekündigt werden.

Was passiert mit dem Aufenthaltsrecht bei Abbruch? Endet die Ausbildung aus Gründen, die der Azubi nicht zu vertreten hat, bekommt er bis zu sechs Monate Zeit, einen neuen Ausbildungsplatz zu suchen (§ 16a Abs. 4 AufenthG); er muss die Ausländerbehörde innerhalb von zwei Wochen informieren (§ 82 Abs. 6 AufenthG). Das bedeutet: Ihr Betrieb ist nicht verpflichtet, den Azubi „im Land zu halten“, und haftet auch nicht für dessen weiteren Aufenthaltsstatus nach einem Abbruch.

Nachbesetzungsgarantie als Sicherheitsnetz. Kündigt der Azubi im ersten Ausbildungsjahr selbst oder wird ihm wegen eigenen Fehlverhaltens fristlos gekündigt, vermittelt NTH Agency im Full-Service einmalig und ohne weitere Kosten einen Ersatz (Details: AGB § 6). Das schützt Sie vor Doppelaufwand und sichert Ihre Investition.

Wichtig: Der Betrieb trägt keine zusätzlichen Kosten, wenn der Azubi selbst abbricht. Visumverfahren, Flugbuchung und Betreuung waren investiertes Vermittlungshonorar, kein Schadensersatz. Was das Honorar umfasst und wann es fällig wird, steht auf der Seite Kosten der Azubi-Vermittlung.

Häufige Missverständnisse, was viele Betriebe falsch denken

„Das dauert Jahre.“ Falsch. In der Regel 3 bis 4 Monate ab dem Erstgespräch sind realistisch, wenn ZAV-Vorabzustimmung, beglaubigte Zeugnisübersetzung und B1-Nachweis koordiniert vorliegen. „Jahre“ ist ein Mythos aus Einzelfällen, in denen Unterlagen unvollständig waren.

„Wir müssen den ganzen Papierkram selbst machen.“ Falsch, wenn Sie mit einer Agentur zusammenarbeiten, die Full-Service anbietet. Wir übernehmen Vorabzustimmung, Zeugnisanerkennung, Visumskoordination, Flug, Abholung, Anmeldung. Sie unterzeichnen den Ausbildungsvertrag und die Dokumente, die nur Sie als Betrieb unterschreiben dürfen.

„Der Azubi darf während der Ausbildung nicht wechseln.“ Teilweise falsch. Der §16a-Titel ist zunächst an den benannten Ausbildungsbetrieb und Ausbildungsberuf gekoppelt. Ein Wechsel ist grundsätzlich möglich, erfordert aber die Genehmigung der Ausländerbehörde. In der Praxis passiert das selten, wenn das Matching gut gemacht wurde und die Betreuung stimmt.

„Wir haften wenn etwas schiefläuft.“ Weitgehend falsch. Ihre Haftung beschränkt sich auf die normalen arbeitsrechtlichen Pflichten eines Ausbildungsbetriebs, wie bei jedem deutschen Azubi, und auf wenige ausländerrechtliche Arbeitgeberpflichten: Sie prüfen vor Beginn der Ausbildung den Aufenthaltstitel und bewahren eine Kopie auf (§ 4a Abs. 5 AufenthG), und Sie erteilen der Bundesagentur für Arbeit die nötigen Auskünfte zu Vergütung, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen (§ 39 Abs. 4 AufenthG). Abgesehen davon entsteht Strafbarkeit oder Haftung gegenüber der Ausländerbehörde nur, wenn wissentlich falsche Angaben gemacht wurden oder das Ausbildungsverhältnis nur zum Schein existiert. Wer diese Pflichten erfüllt und sauber dokumentiert, ist rechtlich auf der sicheren Seite.

Was NTH Agency übernimmt, und was beim Betrieb bleibt

Die Aufgabenteilung ist in der Praxis klar, und wir machen sie transparent vor Vertragsabschluss:

NTH Agency übernimmt Betrieb ist zuständig
Kandidatensuche und Vorauswahl in Vietnam Auswahlentscheidung aus 2 bis 3 vorgeschlagenen Profilen
Eignungsinterviews und Sprachprüfung Video-Interview mit dem Wunschkandidaten
Vorbereitung Ausbildungsvertrag (Mustervorlage) Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags
ZAV-Vorabzustimmung der Bundesagentur für Arbeit koordinieren Bereitstellung betrieblicher Nachweise (Ausbildungsberechtigung, Gewerbeauskunft)
Zeugnisse übersetzen, in der Pflege bewerten lassen nichts zu tun
Visumsantrag und Botschaftsbegleitung nichts zu tun
Flugbuchung und Abholung am Flughafen Bereitstellung oder Unterstützung bei Unterkunft (empfohlen)
Erstanmeldung Einwohnermeldeamt, Konto, Krankenversicherung Anmeldung zur Sozialversicherung über Lohnbuchhaltung
Kulturelles Onboarding und Sprachcoaching Betriebliche Einarbeitung wie bei jedem anderen Azubi
Check-ins in den ersten 3 Monaten Ausbilderbetreuung im Tagesgeschäft

Mehr Details zum Ablauf finden Sie in unserem Ausbildungsprogramm oder im Ratgeber mit weiteren Artikeln zu Visum, Sprache, Kosten und Integration.

Fazit

Rechtlich ist es machbar, und der Aufwand ist überschaubar, wenn man es richtig macht. Das eigentliche Risiko liegt nicht in §16a AufenthG, sondern in schlecht begleiteten Prozessen: unvollständige Dokumente, falsch eingestufte Zeugnisse, kein B1-Nachweis, keine kulturelle Vorbereitung. Das alles lässt sich sauber vermeiden.

Wenn Sie ernsthaft überlegen, einen vietnamesischen Azubi einzustellen, lohnt sich ein 20-minütiges Erstgespräch, in dem wir Ihre konkrete Situation prüfen, Ausbildungsberuf, Kammer, Bundesland, Zeitplan. Kein Verkaufsdruck, keine Verpflichtung.

Häufige Fragen

Auf welcher rechtlichen Grundlage kommen Azubis aus Vietnam?

Über den Aufenthaltstitel §16a AufenthG zur Berufsausbildung. Voraussetzung sind ein anerkannter Ausbildungsberuf, ein Ausbildungsvertrag (bei IHK- und HWK-Berufen bei der Kammer eingetragen) und ein gesicherter Lebensunterhalt.

Gilt für vietnamesische Azubis dieselbe Probezeit wie für deutsche?

Ja. Es gilt die normale gesetzliche Probezeit in der Berufsausbildung, in der beide Seiten kurzfristig kündigen können. Im Full-Service greift bei einem Abbruch im ersten Ausbildungsjahr die Nachbesetzungsgarantie.

Was muss der Betrieb rechtlich selbst tun?

Den Ausbildungsvertrag unterzeichnen und bei der Kammer eintragen lassen sowie betriebliche Nachweise (etwa die Ausbildungsberechtigung) bereitstellen. Visum, Vorabzustimmung und Anerkennung übernimmt NTH im Full-Service.

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